MIQC-2017 Statement

In unserem 4. Wettbewerb wollten wir euch nicht nur ermutigen moderne Quilts zu nähen, sondern den ganzen Prozess nach der Philosophie des Modern Quilting gestalten. Die Spielregeln sollten euch Raum und Freiheit für Kreativität geben. Anhand der Technikvorgabe des improvisierenden Patchwork und dem Thema „Modern Lines: Curvy Or Not“, konnte jede für sich erfahren, was in ihr steckt, was ihr selbst gefällt, was nicht und vor allem, wohin die eigene Entscheidung führt und wie diese dann die weiteren Schritte beeinflusst. Außerdem wollten wir Euch die Welt des Internet nahebringen, indem ihr euren Entstehungsprozess anhand von Fotos und Kommentaren auf Instagram für alle anderen sichtbar gepostet habt. Wir finden es  gut und richtig, sein Wissen mit anderen zu teilen, damit es fortbesteht und daraus etwas Neues aufbauen kann. Wir hoffen, dass unser Wettbewerb jeder Teilnehmerin viel Spaß gemacht hat und sie einen Nutzen aus ihm ziehen konnte. Sicherlich habt ihr bei dem Ganzen nicht nur etwas gelernt, sondern seid vielleicht sogar über euch hinaus gewachsen. 

Wie ihr wisst, ist Improv Quilting eine individuelle Angelegenheit, deswegen wird es euch jetzt nicht verwundern, dass Sherri Lynn Wood sich aus den 15 Wettbewerbs Quilts auch für 15 Gewinner Quilts entschieden hat. Hier ihr Statement:.. (in englisch, die deutsche Übersetzung ist weiter unten im Text)

Die PatchWerkstatt – MIQC-2017 – Juror’s Statement

After reviewing the entries for the MIQC I’ve decided every quilt entered is a winner! They are all very delightful and I am unable for many reasons to choose one or even three that shine above the others. I see something interesting and unique in each and every piece. Well done to all who have entered into the competition!

It’s always been my policy and philosophy that improvisational patchwork cannot be judged but only evaluated by the maker herself. Improvisation is an internal process and cannot and should not be judged by external authorities. You are your own authority. You must please yourself and accept your efforts with curiosity. Each of you has grown from this process according how much you’ve risked and how much you’ve paid attention. Ask your self these questions to evaluate your rewards:

  1. What surprised me about the process and/or outcome?
  2. What did I discover or learn about the process or outcome – on a technical or personal level?
  3. What satisfied me about the process or outcome? And what would I like to do more of?
  4. What was dissatisfying about the process or outcome? And what would I do differently next time?

By answering these questions you will reap the most out of the experience of improvising your quilt. Your answers serve as a guide for what to explore in your next piece.

This being said, I can see that some of you may need to adjust your limits to be more focused, while other may need to loosen control over your outcomes. I trust that each of you know which category you fall into! This balancing act to find the sweet spot of effortless flow between too little and too much is a tight rope that is walked by every improviser.

The most important thing to remember is to say YES AND to your quilt. Affirm what you have created and what you have learned from this process and build on it. Don’t expect to be the John Coltrane of improvisational patchwork after one or two or even ten or a hundred quilts. Continue your practice with curiosity and over time you will be making your best work that will also be your authentic work.

Thank you so much for this honor to view your quilts and be inspired by your commitment to discover new territory within your self and with your patchwork. May you continue on this exciting journey of self2discovery through making your own patterns!

Sherri Lynn Wood

und hier die deutsche Übersetzung (übersetzt von A. Greil)

Die PatchWerkstatt – MIQC-2017 – Erklärung der Jurorin

Nach der Begutachtung aller bei der „Modern Improvisational Quilt Challenge 2017“ eingereichten Arbeiten bin ich zu dem Schluss gekommen, dass alle Quilts Gewinner sind! Sie sind alle wunderbar. Aus den verschiedensten Gründen kann ich keinen, und schon gar nicht drei Quilts auswählen, die alle anderen überstrahlen. Ich sehe in jedem einzelnen Werk etwas Interessantes und Einzigartiges. Bravo und Glückwunsch an alle Teilnehmerinnen des Wettbewerbs!

Es ist schon immer meine Auffassung und meine Philosophie, dass Improvisations-Patchwork nicht von Preisrichtern beurteilt werden kann. Es kann nur evaluiert, also bewertet oder eingeschätzt werden – und zwar von Euch Quilterinnen oder Patchworkerinnen selbst. Improvisation ist ein innerer Prozess, den externe Autoritäten weder beurteilen können noch sollen. Ihr seid Eure eigene Autorität. Ihr selbst müsst mit Euch zufrieden sein und Euer Werk mit Neugier und „Schau-Lust“ annehmen. Jede von Euch ist im Laufe dieses Improvisationsprozesses gewachsen, je nachdem wieviel Ihr riskiert habt und wie aufmerksam Ihr wart.

Stellt Euch folgende Fragen und ermittelt anhand Eurer Antworten Euren „Preis“, Eure Belohnung:

  1. Was hat mich am Improvisationsprozess und an meinem Ergebnis überrascht?
  2. Was habe ich durch diese Arbeitsweise und mein geschaffenes Werk entdeckt oder gelernt – auf technischer Ebene und auf persönlicher Ebene?
  3. Womit bin ich, was Prozess und Ergebnis angeht, zufrieden? Wovon möchte ich mehr machen?
  4. Was gefiel mir nicht an dieser Arbeitsweise und an meinem Resultat? Was mache ich das nächste Mal anders?

Beantwortet Euch diese Fragen und Ihr erhaltet den größten Gewinn, den Ihr aus den Erfahrungen ziehen könnt, die Ihr beim Improvisieren Eures Quilts gemacht habt. Eure Antworten sind Eure Leitlinien für Eure nächste Improvisationsarbeit.

Gleichwohl sehe ich, dass manche von Euch fokussierter, gemäß den Leitlinien des Improvisations-Quiltings, arbeiten könnten. Anderen wiederum würde es guttun, etwas weniger kontrolliert vorzugehen. Ich bin mir sicher, jede von Euch weiß, in welche dieser beiden Kategorien Ihr fallt. 

Dieser Balance-Akt, den „Sweet Spot“ des mühelosen Arbeitens („Flow“) zwischen einem „zu wenig an Fokus“ und einem „zu viel an Kontrolle“ zu finden, ist eine Gratwanderung, auf die sich jeder, der improvisiert, einlässt.

Am allerwichtigsten ist, immer wieder „JA … UND“ zu Eurem Quilt zu sagen. Bejaht, was Ihr geschaffen habt, gratuliert Euch zu dem, was Ihr beim Improvisieren gelernt habt und baut darauf auf. Erwartet nicht, nach einem oder zwei Quilts der John Coltrane des Improvisations-Patchworks zu sein – nicht mal nach zehn oder hundert Quilts. Übt das Improvisieren immer und immer wieder, mit Offenheit und Neugier. Und mit der Zeit gelingen Euch Eure besten Arbeiten, auch weil sie Eure authentischsten sind.

Vielen Dank Euch allen, es war mir eine Ehre Eure Quilts begutachten zu dürfen. Eure Bereitschaft, neue Wege für Euch selbst und für Euer Patchwork(en) zu entdecken, inspiriert mich. Ich wünsche Euch weiterhin eine aufregende Reise der Selbst-Entdeckung durch das Schaffen eigener Muster und Quilts!

Sherri Lynn Wood (USA)

Wir danken Sherri Lynn Wood für ihre wahren Worte, die uns einen weiteren „Score“ aufgeben,
der uns aufhorchen, entscheiden und wachsen lässt.
Wir danken Kurt Frowein GmbH & Co. KG aus Wuppertal und Adlico Textile Aps. aus Ikast (DK) für ihr großzügiges Sponsoring.
Wir danken allen Teilnehmern ganz herzlich fürs Mitmachen und wünschen euch jede Menge kreative Energie! 

Wir haben im Anschluß an die Vernissage die Glücksfee sprechen lassen und die Preise der Sponsoren unter den Teilnehmerinnen verlost. 

Beste Grüße
Ursula Becker und Karin Dunkelgod